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Corona und Meditation / Corona and Meditation

29. Mai 2020

Seit Ende 2019 plagt ein neuartiger Virus die Menschheit. Die Pandemie wirbelt unser Leben weltweit durcheinander. Regierungen verordnen ihren Bürgern mehr oder weniger strenge Formen von Quarantäne bis hin zu kompletten Lock-downs, einer Verlangsamung des öffentlichen Lebens mit dem Ziel, das da-mit verbundene herzzerreißende Leiden so weit wie möglich zu vermindern. Was fällt Zen-Übenden zu dieser Situation ein?
Diese Pandemie erinnert uns Meditierende daran, was wir immer schon gewusst oder geahnt haben, aber nun vielleicht auf eine ganz neue Weise erfahren.
Wir sind alle miteinander verbunden. Was in der Ferne geschieht oder von uns mit unserem Lebensstil angerichtet wird, geht uns sehr wohl etwas an. Wir leben auf einer gemeinsamen Erde, einem gemeinsa-men kostbaren Lebensraum. Wir leben vielleicht separat voneinander, sind aber dennoch mit allen und allem verbunden. Der Sack Reis, der in China umfällt, hat sehr wohl etwas mit unserem Leben zu tun. Die Unterscheidungen von „Ich“ und „Dir“ oder „Ihr“ und „Es“ (das Virus) gibt es nicht. Lieferketten, Jet-streams, Atmosphäre, Digitalisierung – all dies und noch viel mehr zeigen uns dies deutlich; insbesondere, wenn sie nicht mehr funktionieren. Und zuletzt auf eine sehr schmerzhafte Weise.
Unsere Zivilisation steht auf einem sehr dünnen Eis. Sie ist empfindlicher, als wir in unserem illusionsge-tränkten Alltag vielleicht meinten. Bislang haben sich die Verantwortlichen auf die großen und lauten Er-eignisse fokussiert, die z.B. mit Macht, Sicherheit und materiellem Wohlstand zu tun haben, Virenschutz steht neu auf der Agenda, der Klimawandel ist zur Zeit fast gänzlich über Bord gegangen. Noch.
Wir sind im Atmen miteinander verbunden. Die durch den Coronavirus (Sars-CoV-2) hervorgerufene Krankheit wird primär durch Aus- und Einatmen weitergetragen (Tröpfcheninfektion, Aerosole), teilweise auch durch ‚Schmierinfektion‘. COVID-19 ist zunächst eine Krankheit der Lunge, eines unserer wichtigsten Organe des Kontakts und des Austauschs mit unserer Umwelt, kann dann auch weitere lebenswichtige Organe schädigen.
Wir müssen alle sterben. Das wissen wir kognitiv und generell, die Pandemie kann uns jedoch sehr intensiv in Erinnerung bringen: Innerhalb von zwei Wochen kann mein Leben vorübersein. Auch wenn die meisten Krankheitsverläufe asymptomatisch verlaufen, gibt es ja noch die anderen, schwerwiegenden und auch todbringenden Verläufe. Meine Gesundheit ist nicht selbstverständlich. Ich bin sterblich. Ich muss sterben. Meine Lebenszeit ist begrenzt. Das Leben auf dieser Erde, in der uns wahrnehmbaren Form, ist endlich.
Während der Lockdown-Phase, zumal wenn allein, stellt sich uns die Frage nach dem Sinn meiner Tage, nach dem Sinn meines Lebens überhaupt. Die Geschäftigkeit unseres Vor-Corona Alltags mag die Antwort, erst recht die Frage danach, meist übertönt haben, aber jetzt ist die Frage in unser Leben geknallt: Was mache ich hier – an diesem Ort, mit diesen Menschen, in meinem Beruf, auf dieser Welt – überhaupt? Was ist der Sinn des Lebens?
Sofern man nicht zu denjenigen mit „systemrelevanten“ Berufen im Dauereinsatz ist, kann man diese geschenkten Tage verschieden nutzen: zur Dauerablenkung und zur Identifikation mit der generellen Unbe-wusstheit, oder zu einem Retreat mit verstärkter Meditation, der „Innerung“. Wir können uns auf den Weg zur eigenen Mitte begeben, und die von uns praktizierte Zen-Meditation stellt, so meinen wir, einer der Königswege dar. Vielleicht aber öffnet sich einem ein anderer spiritueller Weg, ein Weg des Gebets, der Kreativität, des mitfühlenden Handelns.
Wir haben mit dem Aufkommen der wissenschaftlich-technischen Beherrschung der Welt unsere Verbindung an das Ganze vergessen, eine grundlegende Quelle von Religion, Spiritualität und einem vertieften Leben. Allein dieses zu merken ist eine wichtige Lektion.
Leben ist Wandel. Wie weit die Menschheit nach dieser Erfahrung wieder zum ‚business as usual‘ über-geht, oder sie als eine Chance und Aufgabe ansieht, lebensfördernde und lebensfreundlichere Strukturen aufzubauen, das werden wir sehen. Was zwei Weltkriege nicht bewirkt haben, wird die Coronakrise vielleicht auch nicht bewirken – das ist die eine Sicht. Aber dann gibt es ja noch die hoffnungsvolle Sicht. Wir Einzelnen können ja schon mal anfangen, der menschenfreundlichen Zukunft den Weg zu bereiten.


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Since the end of 2019 a new type of virus has been plaguing mankind. The pandemic is shaking up our lives around the world. Governments are imposing more or less strict forms of quarantine on their citizens, including complete lock-downs, a slowdown in public life with the aim of reducing the heartbreaking suffer-ing associated with it as much as possible. What do Zen practitioners think about this situation?
This pandemic reminds us meditators of what we have always known or suspected, but now perhaps experience in a whole new way.
We are all connected to each other. What happens in the distance or what we do with our lifestyle is our business. We live on a common earth, a common precious habitat. We may live separately, but we are still connected to everyone and everything. The sack of rice that falls over in China has very much to do with our lives. The distinctions between „I“ and „you“ and „it“ (the virus) do not exist. Supply chains, jet-streams, digitalization – all this and much more show us this very clearly; especially when they no longer work. And finally it is shown by the virus in an acutely painful way.
Our civilization is on a very thin ice. It is more fragile than we might think in our illusion-soaked everyday life. Up to now, those responsible have focused on the big and noisy events that have to do with power, security and material prosperity, virus protection is new on the agenda, and climate change has almost completely disappeared. Up to now.
We are connected with each other through breathing. The disease caused by the coronavirus (Sars-CoV-2) is primarily spread by inhalation and exhalation (droplet infection, aerosols), partly also by ’smear infection‘. COVID-19 is first of all a disease of the lungs, one of our most important organs of contact and exchange with our environment, and can then also damage other vital organs.
We must all die. We know this theoretically and in general, but the pandemic reminds us it very intensively: Within two weeks, life can be over. Even if most of the courses of the disease are asymptomatic, there are also the other, more serious and even fatal courses. I cannot take my health for granted. I am mortal. I must die. My life span is limited. Life on this earth, in the form we perceive it, is finite.
During the lockdown phase, especially when alone, the question arises as to the meaning of my days, the meaning of my life. The bustle of our pre-corona everyday life may have drowned out the answer, and even more so the question about it, but now the question has entered our lives: What am I doing here – in this place, with these people, in my job, in this world – at all? What is the meaning of my life?
As long as one is not in permanent employment in „systemically relevant“ professions, one can use these given days in different ways: for permanent distraction and identification with the general unconscious-ness, or for a retreat with intensified meditation, the „innerisation“. We can set out on the path to our own centre, and the Zen meditation we practice is, we believe, one of the royal paths. But perhaps another spiritual path will open up for us, a path of prayer, creativity, compassionate action.
With the advent of scientific and technical mastery of the world, we have forgotten our connection to the whole, a fundamental source of religion, spirituality and a deeper life. To remember this alone is an im-portant lesson.
Life is change. We will see how far humanity will return to ‚business as usual‘ after this experience, or see it as an opportunity and a task to build up structures that are more conducive to life and more life-friendly. What two world wars did not achieve, the corona crisis will not achieve either – that is one view. But then there is the hopeful view. We, each of us, can start to prepare the way for a future that is kinder to people that the harsh realities of our present and past.

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Einlassen auf den Zazen-WEG / Getting involved in the zazen path

8. August 2018

Wer sich auf den Zazen-WEG einlässt, kann die Wirkungen der Meditation und des meditative fokussierten Lebens am eigenen Leib und am eigenen Gedanken- und Gefühlserleben spüren.

Es kommt vor, dass das Sitzen an einem Übungsabend beschwerlich und schmerzhaft war. Schmerz zu spüren ist nicht sehr schön und manch eine/r wird abzuklären haben, ob physische Ursachen von Schmerzen vorhanden sind. Häufig können wir durch einige Körperübungen Schmerzen lindern.

Daneben können Schmerzen und sonstige Beschwerlichkeiten auch auf wichtige Hausaufgaben für den Sitzenden deuten. Angst, Verspannung, Wut schreiben oftmals eine Botschaft in den Körper, die das Leben bereichern – und deshalb unbedingt vernommen werden will.

Bisweilen empfinden die Teilnehmende nach einem Meditationsabend nichts Besonderes, weder so, noch so. Es ist, wie es ist.

Manchmal spüren Teilnehmende während eines und nach einem Meditationsabend Unwohlsein und Unzufriedenheit. Was sie vielleicht nicht wahrhaben wollten, ist durch das fehlende Unter-drücken während des Sitzens an das Licht des Bewusstseins aufgetaucht. Auch das gehört zur Zen-Erfahrung: Wir nehmen auch die unliebsamen Empfindungen als das an, was sie sind: Formen des Lebens, die zu uns gehören. Gleichwohl machen uns diese Formen nicht aus, wir brauchen uns nicht mit ihnen identifizieren; wir sind nicht die Kleider, die wir tragen. Wir sind frei anzuziehen, was zu uns passt.

Sehr häufig erleben diejenigen Teilnehmer, die sich mit Ernst dem Zazen widmen, am Ende des Übungsabends positive Auswirkungen. Man weiß: Zazen gehört zu den besten Erfindungen der Menschheit.Die meisten Teilnehmer fühlen sich dann entspannt, befreit, gestärkt, energetisiert, bereichert und haben wieder eine Ahnung oder Erinnerung davon mitbekommen, was es bedeuten kann, als Mensch zu  l e b e n .

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When you start meditating you’ll very soon be able to feel – in your body, thoughts and feelings – the effects of a life focussed on mediation.

Sometimes the meditation at a meditation meeting feels exhausting, even painful. Feeling pain is not nice at all, and the meditator should consult a specialist to check if they are caused by physical conditions. Very often we can relieve some pain through body awareness exercises.

Pain can also point the meditator to some homework to be done. Anxiety, tension, or anger is a message in the body by our spiritual mind – and should be take seriously.

Sometimes meditators cannot feel anything particular after a mediation evening. Is it good, is it bad?

After some mediation sessions mediators may feel uneasy and dissatisfied. It happens that the lack of pressure during mediations, the ‘letting go’ of pricesses, has led thoughts and feelings to come to the surface that have long been in the background. This is the zen experience too: We are aware of unpleasant experiences and accept them as what they are: forms of our life. Although this insight will go against the grain, there is no need for us to identify with these forms, we are not the clothes that we are wearing. We are free to choose the clothes that suit us best.

Very often meditators feel diverse positive effects after a meditation evening and they feel: zazen is one of mankind’s best invention. They feel relaxed, free, refreshed, strengthened, energised, enriched and have got, or got again, a glimpse, or insight, into what it means, to live as a human being on this planet.

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Gäste sind herzlich willkommen / Guests are warmly welcome

11. August 2017

Wenn wir im Zazen sitzen, dann ist dies oftmals nur äußerlich ein ruhiger Zustand. Wir selber spüren dann aber, wie diverse Gäste – Gedanken und Gefühle – an die Tür unseres Bewusstseins klopfen und eine mehr oder weniger große Rolle spielen möchten. Zazen bedeutet nicht, nicht zu denken und nichts zu fühlen, sondern im Gegenteil: wahrnehmen, was gerade ist. Der Dichter Rumi sagt es so: Wie ein guter und weiser Gastgeber heißen unseren inneren Gäste herzlich willkommen, reden kurz mit ihnen und verabschieden sie dann ins Wohnzimmer zu den anderen Gästen, um dann den nächsten Gast zu begrüßen.

Es gibt Situationen, in denen wir uns mit einem Gast ins Hinterzimmer begeben, eine Tasse Tee mit ihnen trinken und uns genauer mit Wünschen, Ängsten oder Ärgernissen auseinandersetzen. Bei unseren wöchentlichen Meditationen ist die Tasse Tee jedoch eher nicht der Fall. Hier praktizieren wir eine Willkommenskultur der besonderen Art: wir nehmen sowohl angenehm empfundene wie auch unangenehm empfundene Gäste gleichermaßen auf; bei keinem verweilen wir länger, sondern wenden uns dann wieder der Beobachtung unseres Atems zu.

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When we sit in silent meditation, silence is sometimes only what an outward observer might see. The poet Rumi puts it like that: We ourselves, however, often feel how diverse guests – thoughts and feelings – knock on the door of our awareness and want to enter. Zazen does not mean that we do not think or feel anything. On the contrary, it means: being aware of what is. Like a good host we give our guests a warm welcome, say hello and send them off to the other guests in another room, to welcome the next guest.

There are situations in which we join them to a back room, drink a cup of tea with them and have a look at their wishes, fears or troubles. In our zazen, however, we practice the culture of welcoming strangers: we say hello to pleasant and unpleasant guests, one after the other. Being aware of our breathing is often a great help, especially in situations where we feel agitated.

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Einige Wirkungen der Meditation / Some Effects of Meditation

13. Mai 2017

Meditation hat einige hervorragende Effekte, die unser inneres Klima verändern: 1. Frieden, 2. Stärke, 3. Freude.
1.) Auf die Dauer, und möglicherweise auch vorher, wird sich unser durch stressige Gedanken und Fanta-sien aufgewühlter Geist beruhigen, wir werden ruhiger und gelassener, wann auch immer wir durch die Meditation in Kontakt mit der großen Stille bekommen.
2.) Indem wir unseren Atem fließen lassen, wird sich Lebensenergie (“Ki/Chi/Prana/…”) mehr und mehr sammeln; nach einer Zeit regelmäßiger Meditation werden wir uns gefestigter und stärker fühlen.
3.) Wir nehmen immer öfter kleinere ‚Freudebläschen‘ wahr, kleine Samen von Freude; in dem wir sie wahrnehmen und ohne zu beeinflussen einfach da sein lassen, werden sie wachsen – so wie eine Pflanze wächst, die wir gießen.
Genau betrachtet, geht es bei der Meditation nicht um Effekte, die wir erreichen können, sondern um Geschenke, die wir erhalten, denn es handelt sich hier um eine Welt jenseits von mechanisch-logischer Ursache und Wirkung – wenn wir meditierten, um diese Effekte zu erzielen, würden wir dies vermutlich umsonst tun. Wir nähern uns der Dimension von Gnade und Licht, kosten in der Meditation von ihr, viel-leicht berühren wir sie sogar, in der wir winzig kleine – und dennoch äußerst wertvolle – Strahlen und Re-flexionen sind, die in die ewige Sonne der Liebe aufgehen. Aus dieser Liebe kommen wir, und diese Liebe wird uns eines frühen oder späten Tages wieder aufnehmen, wenn wir uns völlig auflösen im Göttlichen, in Gott, in der kosmischen Energie – oder wie auch immer man sie bezeichnen möchte.

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For me on the podium of the praize-worthy effects of meditation on our inner climate are: 1. peace, 2. strength and 3. joy.
1.) In the long run, or even before, whenever we get in touch with Stillness, the stressful agitations of our body/soul/mind will settle down and relax.
2.) By breathing in this state of peace, energy („ki/chi/prana/…“) will gather and fill our system more and more, and we feel stronger than without meditating after some time.
3.) Along with it come little joy bubbles, little (as seeds are) seeds of joy; our perceiving them and letting them be, and grow, is like watering them.
It’s not about achieving, rather about receiving these gifts, or consequences. In a certain manner of speak-ing, there are no ‚effects‘ to be gained at all in meditation, as we are touching a world beyond logical cause and effect. In fact, if we meditated in order to get any effects, we might do so in vain. We’re approaching, or touching, rather a dimension of grace and light, in which we, tiny rays or reflections – but at the same time invaluable beings in an unfathomable cosmos – are merging into the eternal Sun of Love. From Love we come, and Love will take us up again – we can taste a bit during meditation, and one sooner or later day, we’ll completely dissolve in the divine, in God, in the cosmic energy or whatever name you’d prefer.

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Vorsätze für das neue Jahr / New Year’s resolutions

4. Januar 2017

Vorsätze für das neue Jahr haben keine guten Ruf, vermutlich weil ihre Haltbarkeitsdauer eher kurz bemessen ist. Dennoch können wir uns, gerade an markanten Punkten wie dem Jahresanfang, etwas wünschen und unser Leben dadurch bereichern. Ein Wunsch ist eine Art Energie, die unser Leben in eine bestimmte Richtung zieht, und am Besten macht man sich einen Wunsch bewusst und malt ihn sich attraktiv aus, je nach künstlerischer Neigung auch auf Papier schön gestaltet, oder vertragsmäßig mit Unterschrift(en) formuliert, oder was auch immer unseren Wunsch unterstützen kann.

Nebenbemerkung: Wünsche sind manchmal negativ, wir nennen sie dann z.B. ‚Ängste‘ oder ‚Befürchtungen‘. Sie funktionieren genauso, auch sie können wahr werden, wenn wir ihrer Energie folgen, was wir meist ungewollt tun. Gerade bei ihnen ist es wichtig, sich ihrer bewusst zu sein, sie nicht ins Schattenreich des Un- oder Halbbewussten zu schieben oder sackenzulassen, wo sie sich jedoch nicht auflösen, sondern Kräfte sammeln und, zu gegebenem Anlass, aus dem Hinterhalt heraus in unser Leben wirken.

Hier folgen ein paar unspektakuläre, kostenlose Wunschideen:

– auffinden und benennen, was sich in der Vergangenheit bewährt hat; ein Dankgebet dafür sprechen, dass euch z.B. ein Ritual, eine Gewohnheit oder ein Mensch (immer wieder) zur Quelle führt – und praktiziert dies weiter;

– täglich 25 Minuten im Zazen sitzen;

– täglich Kinhin üben;

– täglich Zeiten von Routinetätigkeiten als Meditation praktizieren, z.B. Zähne putzen, bügeln, kochen, essen, einen Schluck Wasser trinken;

– etwas tun, was uns dazu verhilft, den Weg zur Quelle zu erleichtern, z.B. ein Zimmer saubermachen oder die Wohnung aufräumen;

– unseren Zeithaushalt nach Wichtigkeiten zu überprüfen und ggf. neue Prioritäten setzen;

– irgendetwas zu Volles oder Schnelles oder Lautes reduzieren, entschleunigen, beruhigen;

– (ggf. wieder) etwas tun, und das dann regelmäßig, durch das wir uns ausdrücken können, z.B. wieder regelmäßig joggen, wandern, saunen, malen, singen, tanzen, Qigongübungen machen, stricken, werkeln, kochen;

– sich (wieder) gesund ernähren, auf Zucker oder Schokolade verzichten.

Hier nun ist Platz für den Vorsatz für’s neue Jahr: …………………………………………..

Im Grunde ist es zu schade, Wünsche auf das neue Jahr zu beschränken. Glücklicherweise gibt es noch weitere Anlässe – der Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt!

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New Year’s resolutions don’t have a good reputation, probably because their expiry dates usually pass very soon. Nevertheless they are a useful tool for our inner development. Every wish is a form of energy that pulls our life to a certain direction. A very effective method is to become aware of a certain wish and clearly imagine it, e.g. as a painting on paper or formulated as a contract text including signatur(s) – whatever is conducive to support the wish.

On a side note, there are also negative, unpleasant wishes, called e.g. ‘fear’ or ‘anxiety’. They function a similar away, they can become true, too, when we follow their energy, and it is essential to become aware of them, so that we don’t push them, or let them descent, into the shadow empire of un- or half-consciousness, where they may gather momentum and, when the occasion arises, shoot up into our life and wreak havoc of one kind or another.

Here’s some ideas for some unspectacular wishes for free:

– sitting in zazen for 25 minutes every day;

– practicing Kinhin (walking meditation) everyday;

– practicing routine activities as a meditation, e.g. brushing one’s teeth, ironing, cooking, eating, drinking a glass of water;

– doing something that helps us reach the source, e.g. cleaning a room, tidying up our flat;

– checking our use of time and set new priorities;

– reducing, quieting, de-accelerating something;

– doing something (again) through which we express ourselves, e.g. going jogging, walking, sauna-ing, painting, sculpturing, singing, dancing, doing Qigong, or Yoga etc., knitting, cooking regularly again.

– eating healthily (again), to avoid sugar or chocolate.

And here is space for the new New Year’s resolution: ………………………………………………

Basically a wish is such an effective tool that it’d be a pity if we confined wishing to the beginning of the year only. Luckily, there are lots of other occasions, just be creative!

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Frohes Neues Jahr! / Happy New Year!

2. Januar 2017

„Frohes Neues Jahr!“
Als Meditierende dürfen wir diesen schönen Wunsch herzlich annehmen uns darüber freuen. Wünsche sind Energien, die die Welt, zumindest unsere kleine Welt, angenehm erwärmen können.  Das neugeborene Jahr fühlt heute Morgen noch so offen an, voller Möglichkeiten und Verheißungen, wie das Anziehen frisch gewaschener, neuer Kleider 🙂
Als Meditierende wissen wir aber auch, dass das Sprechen vom ‚alten‘ und  ’neuen‘ Jahr letzlich eine Illusion ist und dass unsere Sprache hier eine Illusion nährt, denn es ist der gegenwärtige Moment, den wir beachten und achten – was wir in der Meditation wöchentlich, vielleicht auch täglich 🙂 – üben. Der Moment, der Brennpunkt des Lebens, den wir manchmal vielleicht nur erdulden können und manchmal genießen, will und darf von uns angenommen und gelebt werden (welche Form er auch immer gerade annimmt in ‚unserem‘ Leben.) Der Moment ist DAS Geschenk – und die Aufgabe – des Lebens an uns. Ist das nicht wunderbar?
In diesem Sinne wünsche ich euch ein „Frohes Neues Wow-Jahr 2017“!

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„Happy New Year!“

As meditators we honour this wish and can enjoy it at the beginning of the year. Wishes are energies that can warm the world, and our little personal world too.

How crisp and fresh the newly-born New Year (still to be written in capital letters) feels, so filled with hopes, promises and opportunities, everything good being so close.

As meditators we know, of course we do, that this is but an illusion. There is no old, there is no new year. There is the freshness and power of the present moment, the fire point of life –  at some times to be enjoyed, at other times to be endured, always to be gratefully accepted. It is the gift – and the task – of LIFE give to us to unfold it. Isn’t this absolutely marvellous?

With this in mind I wish you a „Happy New Wow Year 2017!“ 🙂

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Die Wirkungen von Mediation / The effects of meditation

20. September 2016

Meditation hat einige hervorragende Wirkungen, z.B. 1. Frieden, 2. Stärke, 3. Freude.

1.) Auf die Dauer, und möglicherweise auch vorher 🙂 wird sich unser durch stressige Gedanken und Fantasien aufgewühlter Geist beruhigen, wir werden ruhiger und gelassener, wann auch immer wir durch die Meditation in Kontakt mit der großen Stille bekommen.

2.) Indem wir unseren Atem fließen lassen, wird sich mehr und mehr Lebensenergie (“Ki/Chi/Prana/…”) sammeln; nach einer Zeit regelmäßiger Meditation werden wir uns gefestigter und stärker fühlen.

3.) Wir nehmen immer öfter kleinere ‚Freudebläschen‘ wahr, kleine Samen von Freude; indem wir sie wahrnehmen und ohne sie zu beeinflussen einfach da sein lassen, werden sie wachsen – so wie eine Pflanze wächst, wenn wir sie gießen.

Genau betrachtet, geht es bei der Meditation nicht um Effekte, die wir erreichen können, sondern um Geschenke, die wir erhalten, denn es handelt sich hier um eine Welt jenseits von mechanisch-logischer Ursache und Wirkung. Wenn wir meditierten, um diese Effekte zu erzielen, würden wir dies vermutlich umsonst tun. Wir nähern uns der Dimension von Gnade und Licht, kosten in der Meditation von ihr, vielleicht berühren wir sie sogar, in der wir winzig kleine – und dennoch äußerst wertvolle – Strahlen und Reflexionen sind, die in die ewige Sonne der Liebe aufgehen. Aus dieser Liebe kommen wir, und diese Liebe wird uns eines frühen oder späten Tages wieder gnädig aufnehmen, wenn wir uns dann völlig auflösen im Göttlichen, in Gott, in der kosmischen Energie – oder wie auch immer man sie benennen möchte.

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For me on the podium of the praize-worthy effects of meditation are: 1. peace, 2. strength and 3. joy.
1.) In the long run, or even before, whenever we get in touch with Stillness, the stressful agitations of our body/soul/mind will settle down and relax.
2.) By breathing in this state of peace, energy („ki/chi/prana/…“) will gather and fill our system more and more, and we feel stronger than without meditating after some time.
3.) Along with it come little joy bubbles, little (as seeds are) seeds of joy; our perceiving them and letting them be, and grow, is like watering them.
It’s not about achieving, but about receiving these gifts, or consequences. In a certain manner of speaking, there are no ‚effects‘ to be gained at all in meditation as we are talking about a world beyond logical cause and effect. In fact, if we meditated in order to get any effects, we might do so in vain. We’re approaching, or touching (?), rather a dimension of grace and light, in which we, tiny rays or reflections – but at the same time invaluable beings in an unfathomable cosmos – are merging into the eternal Sun of Love. From Love we come, and Love will take us up again – we can taste a bit during meditation, and one sooner or later day, we’ll completely dissolve in the divine, in God, in the cosmic energy or whatever name you’d prefer.

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Auf der Parkbank sitzen / Sitting on a park bench

11. August 2016

Bei der Meditation sitzen wir still, äußerlich und innerlich. Wir sitzen wie …

… auf einer bequemen Parkbank, bei angenehmem Wetter. Wir nehmen wahr, was ist, wie wir auf der Bank sitzen, wie der Wind und die Wärme der Sonne unsere Haut streichelt: die Schönheit der Natur; die wunderbaren Geräusche; die Gerüche, die an unsere Nase gelangen. Unser Leben fühlt sich richtig und erfüllt an.

Als hätten wir ein anderes Verhältnis zur Zeit bekommen, in der wir uns sonst oftmals gehetzt fühlen, spielt die Uhrzeit jetzt keine große Rolle, wir sitzen einfach, wir sind einfach da. Und wenn wir vielleicht doch auf die Uhr schauen, stellen wir fest, dass eine Viertelstunde, oder eine Stunde, ‚wie im Fluge‘ vergangen ist. Wir haben die Zeit nicht vertrödelt oder verträumt, sondern in dieser Zeit wahrhaft gelebt, und wir können dankbar sein dafür, wie wunderbar unser Leben ist.

So ähnlich ist Sitzmeditation, auf dem Kissen oder dem Hocker, auch. Die Umgebung spielt nicht die entscheidende Rolle, auch in der äußerlich anderen Umgebung als auf der Parkbank können wir in den Prozess des LEBENS eintreten, oder genauer gesagt: merken – was auch sonst der Fall ist – dass wir am einzigartigen Leben teilnehmen dürfen, dass wir genießen dürfen und können.

Wir merken dann, dass wir jeden Moment unseres Alltags auf diese Weise leben können. Um dieses zu merken und  immer mehr zu erlernen, dafür widmen wir uns der Meditation, nicht als Selbstzweck oder weil wir exotische Hobbys mögen, sondern als Übung zum Leben.

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Meditating is easy. We just sit still, outwardly and inwardly. We sit like …

… on a comfortable park bench, in fine weather. We are aware of how we’re sitting on the bench, how the wind and the warmth of the sun is stroking our skin: all that beauty; the wonderful sounds; the rich smells. Our life feels fulfilled; it feels right; we’re at home.

It’s as if we’ve been granted a different sense of time – not feeling stressed out as we usually do. Clock time is just not important, we’re just sitting, are just there. And if we happen to have a look at our watch we may see that a quarter of an hour or an hour has passed just like that. We haven’t been dreaming and ‘wasted time’ – we’ve been living our life, and can be grateful for how wonderful Everything is.

Sitting meditation on a zafu, or a stool, or a chair or wherever, is just like that. The place where we sit is not very important (at the beginning it is though), even sitting before a white wall we can enter the process of LIFE, we can observe what is the case all the time – that we have the privilege of witnessing unique LIFE, and that we can, and are allowed to, enjoy it.

We get a feeling that we can live every moment in our life like that. So meditation is surely not an exotic hobby, but an exercise for life, of life.

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Was ist Zen? What is Zen?

10. Februar 2016

Die Frage danach, was Zen ist, lässt sich auf vielfältige Weise beantworten. Wikipedia gibt dem Fragenden nützliche Informationen, wie z.B. nach der Geschichte oder der Körperhaltung des Zen.

Was Zen *eigentlich* bedeutet, lässt sich durch analytisch-rationales Denken jedoch nicht ergründen. Eckhart Tolle erwähnt in einem Vortrag einmal, es sei wie mit einer Fliege, die sich auf ein Buch der Weltliteratur setzte und denkt: ‚Was Leute wohl daran finden? Ich kann damit nichts anfangen.‘

Zen lässt sich durch Worterklärungen nicht wirklich vermitteln. Vom großen chinesischen Zen-Meister Huineng wird berichtet, dass er einmal die heiligen (buddhistischen) Schriften zerriss – niemand möge sich auf Buchstaben und Worte verlassen, auch nicht aus der heiligsten Schrift. Sie mögen wichtige Fingerzeige sein, aber nicht das, worauf sie zeigen. Auch Martin Luther, in einer äußerlich völlig anderen Tradition stehend, wandte sich gegen geistlosen „Buchstabilismus“, welcher so mit seiner „Bibliolatrie“ (Buchstabengläubigkeit) das Wort hinter den Wörtern nicht erkennen kann.

Zen ist in erster Linie eine Erfahrung des Lebens in seiner heiligen Unaufdringlichkeit, ein Lauschen auf die Stille, wie sie jetzt gerade, oftmals hinter äußerem Getöse und Gedanken- und Gefühlslärm, verborgen ist.

Bei einem mehrtägigen Zen-Retreat gab ein Meister seinen Schülern auf deren Bitte hin die Gelegenheit, Fragen zu stellen.

Einer fragte: „Meister, was ist Zen?“

Der Meister winkelte wortlos einen Arm an und streckte seinen Zeigefinger aus; dabei machte er mit seinem Gesicht eine Mimik, als würde er nach etwas lauschen.

Ein anderer fragte: „Meister, kannst du uns einen Hinweis geben, wie wir richtig meditieren sollen?“

Der Meister wiederholte Geste und Mimik des Lauschens.

Wieder ein anderer fragte: „Was ist das Ziel des Meditierens?“

Der Meister streckte wieder seinen Zeigefinger aus und lauschte.

Einige Schüler verneigten sich und dachten, unser Meister ist wunderlich geworden, er wird so langsam senil.

Andere verneigten sich dankbar. Sie hatten ihn verstanden.

Wikipedia oder Zen-Experten können interessante Antworten auf die Frage geben, was Zen ist; doch auch letztere wissen sicherlich, dass es nicht auf die Antwort ankommt – nicht ankommen kann, da es nichts zu erklären gibt – sondern auf den Fragenden.

Ein energievoller Zen-Meister fragt einen Schüler: „Was ist Zen?“

Der ist leicht verängstigt, da er die Frage nach so vielen Meditationen immer noch nicht beantworten kann: „Ich weiß es nicht.“

Darauf der Meister, mit kraftvoller Stimme: „Ich auch nicht!“

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We can answer this question on different levels. Wikepedia provides a lot of useful information, e.g. its history or traditions or how to sit correctly.

What Zen is in a deeper sense cannot be answered by analytic-rational thinking, though. Eckhart Tolle mentioned in a talk once it’s like with a fly that has settled on a book of world literature, thinking: ‘What do people find about it? I’ve absolutely no idea.’

Zen cannot be fully explained by means of language. The great Chinese zen master Huineng is said to have torn off all holy (Buddhist) scriptures: nobody should trust letters and words, not even those in the holiest scriptures. They can be important pointers, but they are not what they are pointing at.

Zen is first and foremost the experience of LIFE in its holy and mighty unobtrusiveness, a paying attention to Stillness, hiding, as it were, behind all outward and inward hubbub, the chaotic dynamics of thoughts and feelings.

During a zen retreat a master gave his disciples the opportunity to ask questions about zen.

A disciple asked: “Mater, what is Zen?”

The master bent his arm and stretched out his index finger, looking as if he was listening to something.

Another disciple asked: “Master, can you give us some help, how should we best meditate?”

The master repeated his gesture of listening.

Another disciple asked: “Master, What is the aim of meditation?”

Again the master repeated his gesture of listening.

His disciples bowed to their master as was the custom, thinking: ‘Our master has become strange, he’s become senile’. Some disciples bowed to their master, being thankful. They understood him.

Wikipedia and many a zen expert can give interesting answers about zen, but most of them will surely know that it’s not the answer the is important – because there is nothing to explain – but it’s the one who’s asking who is crucial.

An energetic zen master once asked a learner: “What is Zen?!”

The poor guy was quite shocked, he didn’t have the answer and feebly said: “I don’t know.”

The master answered, with a powerful voice: “Neither do I!”

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Bilder an der Wand / Shadows on the wall

8. Dezember 2015

Wenn wir eine Zeit lang meditiert haben, kann es sein, dass unser Geist sehr aktiv wird: Aus Punkten und Schatten an der Wand werden Gestalten, die sich bewegen, aufeinander beziehen und ganze Geschichten vorspielen können, vielleicht auch begleitet durch Geräusche jedweder Art, die wir scheinbar hören. Diese Bilder und Filme können uns sehr attraktiv vorkommen und wir versuchen vielleicht, sie immer wieder aufzusuchen, sie zu genießen oder auch ihre Botschaften zu entschlüsseln.

Von Buddha wird erzählt, dass er vom Dämonen Mara unter dem Bodhibaum mit Illusionen verführt werden sollte; von Jesus wird erzählt, dass der Teufel ihn in der Wüste versuchte. Wir können dies als einen Hinweis darauf sehen, dass diese Vorgaukelungen – auch für uns normale Menschen – sich sehr attraktiv anfühlen können, letztlich aber vom eigentlichen, spirituellen Weg wegführen.

Positiv an diesen Meditationserfahrungen ist es, dass das Bewusstsein in diesen Momenten dabei ist, sich ein wenig aus der Festigkeit unserer gewohnheitsmäßig geschaffenen Realität zu lösen. Bei längerem Sitzen können sich auch unsere nächtlichen Träume anders anfühlen, als ob Puzzleteile sich zu einem anderen Bild zusammenfügen wollen.

Was tun? Wenn wir die Zen-Meditation ernstnehmen, dann nehmen wir diese Bilder und Filme an der Wand wahr, halten sie aber nicht fest. Es sind Vorspielungen des sich wandelnden Bewusstseins – nicht weniger, nicht mehr. Wir fokussieren unsere Wahrnehmung auf den Atem im Harapunkt (etwas unterhalb des Bauchnabels und ein wenig im Körper), wie er kommt und wie er geht, im Rhythmus unser jeweiligen Lebenssituation.

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When we have meditated for some time our mind may become sleepy: dots and shadows on the wall become figures that are moving and acting out stories like in a film or a theatre play. These inner films and plays can be frightening or they can be quite attractive, and some people may tend to try to re-experience them, to enjoy them, to decipher their hidden message.

Buddha, when meditating under the Bodhi tree, is said to have been tempted by diverse demons, e.g. by the demon Mara. We read that Jesus was tempted by the devil in the wilderness. This we can take as hints that all these illusiory sounds and films and feelings may feel unpleasant, or quite pleasant, but if we get stuck her they are likely to divert us from our spiritual path.

At the same time we can say that these specific experiences during meditation can also be regarded in a positive way, because it shows that our awareness is disengaging itself from the seeming solidity of our habitually created ‘reality’. After long periods of meditation nightly dreams can feel different too, like parts of a puzzle dissolving and putting themselves together to a different picture.

What can we do? When zen meditation is our path, not our hobby, we observe these films. They are plays of our consciousness – not more, not less. We focus on our sitting on the cushion, stool or chair or whatever; we focus on our breathing, our hara point (or ‘tan-den’, 2-3 fingers below the belly button, a bit inside our belly); we perceive it coming and going, we feel the rhythm of LIFE in our body.